Crosstriathlon Berlin 2015 – Wenn das Rudel rollt

Crosstriathlon Berlin 2015 – Wenn das Rudel rollt

„Ich bin ein Triathlet und ich bin hier um eines Triathleten Werk zu verrichten“.
So oder so ähnlich hatte ich mir vorgenommen, meine Rede beim diesjährigen Crosstriathlon Berlin zu eröffnen. Dann durfte ich jedoch keine Rede halten, um genau zu sein, hielt niemand eine Rede.

Dennoch: Das Gefühl wieder zurück zu sein, tut gut. Zurück zu Hause, zurück bei den Verrückten, zurück beim Rudel.
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Der Berlin Crosstriathlon ist der Beweis für alle Zweifler, dass man mitten in Berlin einen anspruchsvollen Crosstriathlon auf die Beine stellen kann.
1.000 Meter Schwimmen
24 Kilometer Radfahren
6.000 Meter Laufen

Was auf den ersten Blick wie eine überschaubare Distanz aussieht, entpuppt sich spätestens nach dem kurzen Badevergnügen als ein knallhartes Offroad Abenteur.

Aber ganz von vorne.

Wie immer gut in der Zeit (aka kurz vor knapp) komme ich mit meinem Fanclub auf dem Veranstaltungsgelände an.

2015-06-14 - David Crosstriathlon

Quillt da (m)eine Halsschlagader hervor?

2015-06-14 - David Crosstriathlon

ja, tut sie augenscheinlich

 

Fix umgezogen fällt mir als erstes auf, dass der Neo im Halsbereich ungewohnt eng sitzt. Luftholen geht zum Glück gerade noch so und um ehrlich zu sein, bin ich sowieso auf Diät, um in meinen Trauzeugenhochzeitsanzug reinzupassen. Der Abspeckkurs ist also berechtigt wie mir erneut schmerzhaft bewusst wird.

Nach der typisch kurzen Wettkampfeinweisung geht es auch schon ins Wasser. Die Schwimmstrecke ist mit 1.000m überschaubar kurz. Hier merke ich jedoch schnell, dass ich a) vor kurzem eine Woche krank war b) davor eine Woche im Urlaub und c) überall Algen hochwachsen und man sich mehr vorwärts gräbt als schwimmt.

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Quelle: http://pixelthon.de

Ja, meine Vorbereitung hätte ein bisschen mehr und die Algen ein bisschen weniger sein können. Aus diesem Grund lautet mein Ziel heute auch nur: durchkommen, nicht ertrinken, nicht kotzen, keinen Unfall bauen.

Kaum aus dem Wasser raus, setzt der gewohnte post-aqua Schwindel ein. Kenne ich mittlerweile, macht mir nichts, ich torkel zum Fahrrad. Hier wird mir schmerzlich bewusst, dass ich mein geliebtes Müsing mangels Fahrradträger noch in Ravensburg stehen habe. Der Ersatz ist grundsätzlich fahrtauglich, weißt aber doch feine Unterschiede auf:
– Keine Federung
– 3 Kilo schwerer
– Licht
– Schutzbleche
– Drehgriff Schalter

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Quelle: http://pixelthon.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Ausgleich habe ich dafür endlich mal vernünftige MTB Schuhe, also Zähne zusammenbeißen und auf zu 6 Runden Mountainbiken.

1. Runde – da ich die Strecke von letztem Jahr her noch kenne, weiß ich wo ich absteigen muss und wo man mit ein bisschen Feingefühl volles rooää runterbrettern kann. Bei den Abfahrten erwartet mich jedoch jedes Mal ein Geräuschkrieg. Man könnte meinen, das Fahrrad möchte mir etwas mitteilen. Auf mein Gebot zu schweigen reagiert es auch nicht…man merkt deutlich, dass es sich hier nur um ein temporäres Zweckbündnis handelt.
2. Runde – die obligatorische Getränkeflasche auf dem Weg entdeckt. Aus diesem Grund fahre ich nur noch mit Trinkrucksack. Außerdem ein verpacktes Corny…da hatte wohl jemand nicht genügend Hände zum Auspacken frei. Wie kann das nur sein?
3. Runde – Beim Bergauffahren geht das Treten plötzlich wie von alleine. Komme ich jetzt schon in den Genuss eines Runner’s (oder Biker’s)High? Leider nein, die Kette ist raus. Und das sollte nur das erste von quälenden viermalen sein. Es gibt im Wettkampf nichts schlimmeres als wenn die Kette rausfliegt. Das ist wie wenn jemand ungeduldig an der Toilettentür klopft, wo man es sich gerade erst gemütlich gemacht hat. Da ist die komplette Stimmung erstmal futsch.
4. Runde – Kurz vor dem Ende treffe ich auf eine Gruppe junger Mädels, die bei meinem Näherkommen wie verrückt anfangen zu kreischen. Da ich noch keine lokale Berühmtheit bin, ist die einzige Alternative, dass mich ein nackter Mann mit einer Axt verfolgt. Entsprecht ziehe ich das Tempo nochmal an, um hier schnell wegzukommen.
5. Runde – Vorletzte Runde, ein Licht am Ende des Tunnels. Zur Belohnung schalte ich meine eigene Lampe an, damit ich die nicht umsonst mitgenommen habe. Mitten im Wald kommt mir ein Kampfrichter entgegen, dem ich äußerst kreativ „falsche Richtung, oder?“ entgegenrufe. Sein Blick lässt sich mit viel Liebe noch gerade so deuten: „das höre ich heute nicht zum ersten Mal“.
6. Runde – Hier passiert es. In 3 Jahren Triathlon habe ich das noch nicht erlebt. Eine KLINGEL. Da klingelt mich jemand aus dem Weg. Hallo? Wie geil ist das denn? Das Ablenkungsmanöver funktioniert, ich muss lachen und mache Platz. Fröhlich geht es auf zum Laufen.

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Wennd das Rudel schiebt.. Quelle: http://pixelthon.de

Laufen
Die Laufstrecke ist mit 6 Kilometern eigentlich ziemlich überschaubar. Eigentlich, weil „Laufstrecke“ den Anscheind erweckt, man könnte entspannte 6km joggen. Falsch gedacht. Die vier Runden à 1,5km teilen sich nämlich in 750m bergauf und 750m bergab auf. Also hoch gefühlt auf allen vieren und runter bloß nicht stolpern.

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Quelle: http://pixelthon.de

ABER hier zahlt sich zum ersten Mal das alpine Lauftraining im Süden aus. EASY. Bergauf? Kann ich! Bäm! Bergab? Geht auch von alleine.
Erleichtert wurde das ganze auch enorm von der guten Laune der Mitarbeiter. Großen Respekt an euch, Stunde um Stunde an der Strekcke zu stehen, zu klatschen, anzufeuern und immer ein nettes Wort auf den Lippen!
Nach Anstrengenden 2 Stunden, 5 Minuten und 22 Sekunden ging es dann auch endlich ins Ziel. Persönliches Ziel erreicht, in der Altersklasse den 2. Platz bekommen, insgesammt 1,2KG abgenommen. Sauber.

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Quelle: http://pixelthon.de

Und nach wie vor erwähnenswert: Großmeister Hajo. Mit einer überragenden Fahrradzeit von 54 Minuten und dem 3. Platz hat der Großmeister mehr als einem jungen Hüpfer in seine Schranken verwiesen. Respekt!

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Quelle: http://pixelthon.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber ich kann hier viel erzählen. Das Gefühl eines Wettkampfes lässt sich nicht ausreichend beschreiben. Man muss erlebt haben.
Das hier kommt dem Erlebten jedoch ziemlich nahe:

 

David Binninger

David Binninger, Wahlschwabe, Sportler aus Leidenschaft.

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