Urbanathlon 2013 – Fühlt man sich so als letzter?

Nachdem ich letztes Jahr die Anmeldung zum Urbanathlon verpasst hatte, meldete ich mich für 2013 so früh wie möglich an. Das war eine gute Entscheidung, waren die 4.500 Startplätze doch schon in weniger als sieben Tagen ausverkauft.

Urbanathlon 2013

Urbanathlon 2013

 

Urbanathlon – was ist das?

Da ich den Namen immer noch nicht korrekt aussprechen kann (Urban-athlon oder Urbana-thlon??) habe ich den Lauf immer mit City Cross Lauf umschrieben. Rückblickend kann ich diese gewählte Umschreibung nur bestätigen. Es ist ein crosser Lauf durch die Stadt, allerdings nicht wie gewohnt auf Hauptstraßen, sondern mitten durch. Damit der Lauf nicht nur zu einer Sightseeing-Tour verkommt, haben sich die Veranstalter noch lustige Hindernisse ausgedacht, aber dazu später mehr.

Der Morgen vor dem Lauf

Normalerweise starten Sportwettkämpfe ja immer recht früh. Nicht so in Hamburg. Hier lässt man es mit einem geplanten Start um 15:30h recht entspannt angehen. Genug Zeit, um noch den Fischmarkt zu begutachten (der wie wir erfahren durften nur Sonntags geöffnet hat…) und sich mehr zufällig als bewusst auf der Laufstrecke bewegen.

Fischmarkt in Hamburg

Fischmarkt in Hamburg…samstags

Die gegen 13 Uhr auftauchenden Ermüdungserscheinungen – aufgrund des tourimäßigen Rumlaufens wahrscheinlich – begannen langsam aber sicher, die Vorfreude auf den Wettkampf stark zu dämpfen. (Was für ein Schachtelsatz.) Um dagegenzuhalten, habe ich ein sicheres Rezept: ab aufs Event Gelände

Das Urbanathlon Event Gelände

Laute Musik, Essenstände und eine ganze Menge gratis abzugreifen…toll! Und ablenken tut es einen auch noch. Da wir die Startunterlagen bereits am Vormittag geholt hatten, konnten wir ganz entspannt das Britzeln in der Luft vor dem Wettkampf genießen. Die Zeit ging hier echt fix vorbei, obwohl es eigentlich gar nicht so viele Stände waren. 15:30h nahte in jedem Fall schnell. Als ich gesehen hab, wie die anderen Läufer fleißig am Warmlaufen waren, Liegestütze und mehr machten, musste ich natürlich ebenfalls ein bisschen sportliche Kompetenz demonstrieren. Ist irgendwie keinem aufgefallen.

Aufwärmen für den Urbanathlon

Aufwärmtraining wie die Profis

Der Urbanathlon

Der City Cross Lauf ging über eine Strecke von 12km. Die ganz Harten, die sog. Bonebreaker wollten diese Strecke sogar zweimal laufen. Ich natürlich auch.

Bonebreaker Urbanathlon

Bonebreaker – nur die Harten kommen in den Garten!

Als Bonebreaker ist man automatisch in den Startblock B gerutscht, wodurch man 5min nach der ersten Welle starten durfte. Finde ich super. Sowohl die Einteilung soweit vorne, als auch die generelle Einteilung in Wellen. Das entzerrt das Feld deutlich!

Nach dem Startschuss ging es zunächst gemütlich über Pflastersteine und eine kleine Treppe. Nichts erweckt den Anschein, dass uns hier ein knochenharter Lauf erwartet. Da ich z.Z. im Marathon Training bin, wollte ich den Lauf nur nebenbei mitnehmen und nicht bis auf den letzten Schweißtropfen rennen. Der Schweiß kam dann allerdings ganz von alleine: Sobald die Sonne hinter den Wolken auftauchte, stiegen die (gefühlten) Temperaturen deutlich an. Und in genau diesem Moment erwartete mich auch das erste Hindernis: Schiffscontainer. Wow. Oder so.

Über eine Leiter hochsteigen, dann runterspringen und durchlaufen, dann noch unter zwei Trucks durch…moment, waren das schon die ersten zwei Hindernisse?? Scheint so. Nagut, anstrengend ist anders, aber immerhin: Schiffscontainer!!! (Achtung Ironie)

Mit den Schiffscontainern und Trucks hatte man auch den altehrwürdigen Fischmarkt überquert. Gesehen hat man immer noch nicht viel.

Dafür wurde umgedreht. Mein erster Gedanke war nur: ist jetzt schon ein Viertel der ersten Runde vorbei? Zum Glück (?) war dem nicht so. Auf dem Rückweg bog man plötzlich rechts ab und begann einen langen Bergaufstieg in irgendwelche Parklandschaften. Das war der Anfang allen Übels. Kurz darauf folgte die Köhlbrandtreppe, wo schnell das Gerücht kursierte, links hoch seien es weniger Stufen…ich bin natürlich auch deshalb links hoch. ;-)

Köhlbrandtreppe Urbanathlon 2013

Köhlbrandtreppe (Quelle Wikipedia)

Das nächste Hinderniss hatte ich mit ein wenig Bammel erwartet: Hangeln. Hier war mein Glück, dass ich wenig Leute vor mir hatte. Einmal im Schwung, konnte man sich gut rüberhangeln, hätte man mittendrin auf den Vorderman warten müssen..puh.

Urbanathlon Hindernis hangeln

Auf dem Bild gibt es viel Lustiges zu entdecken. :-)

An dieser Stelle zwei Momentaufnahmen meiner Freundin, die als Zuschauerin letztlich viel mehr gesehen hat als ich:

1. Irgendeine Frau fängt an zu hangeln und klatscht auf den Boden. Rafft sich auf, startet das Hangeln von vorne, klatscht wieder auf den Boden. Rafft sich nochmal auf, beißt die Zähne zusammen und hangelt durch – Respekt!!!

2. Irgendein Typ Marke „Fitnessstudio-Muskelmonster“ läuft gemütlich an den Hanglern vorbei, macht danach 20 Liegestütze und sagt: „Ich kann nicht hangeln“…ahahaha!

Meine Erlebnisse wiederum waren danach deutlich eintöniger: Laufen, laufen, kurz stolpern, weil auf die Band geachtet, weiterlaufen.

Abwechslung kam durch die nächsten zwei Hindernisse: eine große Holzwand, zum Rüberspringen und ein vom Strongmanrun bekanntes Hinderniss: Autoreifen.Der Geheimtrick ist hier nicht wie ein Storch durchzustaksten, sondern grazil von Reifenübergang zu Reifenübergang zu rennen. Geht viel schneller und sieht weniger storchig aus!

Kurz nach den Reifen erwartete mich die Mutter aller Hindernisse. Das Wahrzeichen des Urbanathlons. Die Halfpipe.

50m Anlauf, kein Stau – und zack ist man oben, ohne das Seil auch nur berührt zu haben. Das wahre Hindernis war das folgende Hinterrutschen bei den Feuerwehrstangen. Die waren so glitschig…hm lecker.  Die restlichen Hindernisse waren nur noch ein bisschen springen, klettern und knapp 50m Sandsack tragen. Wenig spektakuläres (letzteres war bei der Cross Challenge auch härter…). Alle Hindernisse findet ihr hier.

Vielleicht war es die fehlende Herausforderung bei den Hindernissen, die ..nunja gelangweilt hat, vielleicht (oder eher wahrscheinlich), war es der Umstand, dass das mein erster Hindernislauf war, den ich alleine gelaufen bin.

Tipp: Einen Hindernislauf immer zu zweit oder zu noch mehreren laufen. Das ist tausendmal lustiger.

Was nimmt man mit?

Mein eindrücklichstes Gefühl war nach dem Wechsel in die zweite Runde. Plötzlich läuft man nicht mehr mit 4.500 Leuten, sondern nur noch mit wenigen hundert Bonebreakern. Die verteilen sich natürlich auch noch auf die ganzen 12km. Daraus folgte ein sehr langer, einsamer Lauf. Publikum war sowieso kaum vorhanden, jetzt noch weinger. Ganz plötzlich wird man einsam. Bei mir kommen dann immer sehr intensiv solche Fragen auf: Was mache ich hier? Ich renne ganz alleine über Pflastersteine. Toll. Das ist ja „toll“.

Fühlt man sich so als letzter? Oder als erster? Ich weiß es nicht. Will es aber ehrlich gesagt auch gar nicht wissen, weil das gar kein cooles Gefühl war. Dafür geht es mir dann doch mehr um den Spaß und die Challenge, als um das reine ich-lief-zwar-völlig-alleine-war-aber-trotzde-dabei(und-du-nicht).

Fazit

Platz 9 in 02:15:12

Urbanathlon Finisher Medaille

Die Medaille ist echt, endlich im Ziel

 

Letztlich kommt man doch irgendwie ins Ziel. 2000 Treppenstufen und gefühlte 1000 Höhenmeter, fordern dann ihren Tribut und erfüllen dich dafür mit Stolz. Das letzte Hindernis „Traffic Jam“ ist auch einzigartig und sehr cool gewesen. Ganz ehrlich: Wer hat noch nie davon geträumt, einfach mal über die ganzen parkenden Autos zu klettern?

Tja was soll ich sagen. Eigentlich war es ein sehr schöner Lauf. Nicht herausragend, aber schön! Mir hat auf jeden Fall ein Laufpartner oder eine Laufpartnerin gefehlt, das macht bei einem „fun“ Run mega viel aus. Auch wenn der bisherige Text ein wenig gelangweilt und kritisch klingt, hatte ich doch wirklich meinen Spaß. Achja: hätte ich gewusst, dass ein Plätzchen auf der Bonebreaker Siegertreppe nur 12min (!) entfernt war, hätte ich mich mehr beeilt. Das wäre doch irgendwie drin gewesen…

Urbanathlon 2013 Bonebreaker Finish

24km durch Hamburg..anstrengender, als gedacht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sportliche Grüße und bis nächstes Jahr, David

David Binninger

David Binninger, Wahlschwabe, Sportler aus Leidenschaft.

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