Berlin Triathlon 2014 – Hitzeschlag statt Kälteschock

Berlin Triathlon 2014 – Hitzeschlag statt Kälteschock

Nachdem ich letztes Jahr kältebedingt aussteigen musste, kam mir die folgende Ansage dieses Jahr wie bittere Ironie vor: Neonprenverbot, weil es zu heiß ist.

30°C sagte die Wettervorhersage, bis zu 35°C sollten es tatsächlich werden. Aber ganz von vorne…

Wenn man von drei sehr erfolgreichen Teilnahmen bei der 5x5km Staffel absieht (20min, 22min, 23min), war der Berlin Triathlon mein erster richtiger Wettkampf 2014. Das Training verlief halbwegs wie geplant, ohne größere Ausfälle und vorallem ohne Verletzungen. Frohen Mutes spazierte ich also am Sonntag Morgen zur Insel der Jugend – ist ja keine 15min Fußweg von mir zu Hause entfernt. Aufgrund des späten Startes, konnte man erholsam ausschlafen, spürte jedoch um 10 Uhr bereits, dass ein heißer Tag bevorstand.

Offizielle Wassertemperaturen
Nach dem Checkin, dann die ersten beiden Rückschläge: Der Start wird um 30min verschoben, außerdem: Neoprenverbot.
Bitte was? Neoprenverbot? Musste ich nicht letztes Jahr wegen einer Unterkühlung nach dem Schwimmen aussteigen? Nagut, im Schnitt macht das dann zwei wohltemperierte Wettkämpfe. Das Neoprenverbot war ärgerlich, da ich mein Schwimmtraining ein bisschen darauf ausgelegt habe. Außerdem wird mir auch bei „offiziell“ warmen Wasser schnell kalt.

Massen von Gliedmaßen
Nichtsdestotrotz: Der Start rückt näher und Punkt 12:30 Uhr gehen alle fröhlich ins Wasser wie bei einem Badeausflug. Die Muschelwarnung ernstnehmend habe ich bis zum Start keinen Fuß auf den Grund gesetzt. Außerdem war mir kalt (offiziell warmes Wasser hin oder her). Mit dem Startpfiff kam dann auch schon das triathlonübliche Gemenge: Ein Ellbogen hier, eine klatschende Hand da, Wasserschlucken, viele sich windene Gliedmaßen, oder besser: Gliedmassen.
Exakt 28min später ging es dann auch schon wieder raus. 28min? Im Training war das doch auch schon mal schneller! Naja, Freiwasser ist dann doch etwas anderes, als reines Hallenschwimmen.

Berlin Triathlon 2014 Start

Ordnung ist das halbe Leben!

 

„der Junge soll mal rechts fahren“
Schuhe an, Helm auf, Startnummer nach hinten. Los geht’s. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Nummern 345 und 365! Ihr hattet das perfekte Tempo, um hinter euch herzuheizen. :-) Ansonsten war die Radstrecke (wie bei fast allen meinen Triathlons) eher langweilig. Okay, mir liegt Radfahren einfach am wenigsten. Geradeaus, Kurve, geradeaus, Kurve und das ganze nochmal. Zwischendurch wurde man noch von den Profis angebrüllt „der Junge soll mal rechts fahren“ – was ich in den Kurven eine sehr unsportliche Forderung finde. Naja, manche müssen halt hier ihre persönliche Meisterschaft gewinnen.
Mit 1:10 habe überraschenderweise eine neue persönliche Bestzeit auf dem Rad erreicht, auch ohne meine Mitfahrer anzubrüllen. Sehr geil! :-)

Eins
Die Hitze hat bis dahin allerdings schon ganze Arbeit geleistet. Ein netter Kampfrichter hat mich zum Glück meinem Helm noch einmal aufsetzen lassen, den ich vor lauter Laufvorfreude in der Wechselzone zu früh abgesetzt hatte. Apropos laufen. Die Sonne stand zu dieser Zeit am Zenit. Zumindest gefühlt. Schatten war nur wenig vorhanden. Der Wechsel von der schnellen Radstrecke hätte intensiver nicht sein können. Es schien, als wäre ein schwarzes Loch aufgetaucht und hätte kollektiv allen Athleten die Energie ausgesaugt. Die Laufstrecke glich einem Zombiewalk. Langsame, taumelnde Gestalten, mehr gehen als rennen. Zerschundene, ausgemergelte Gesichter. Zähne zusammenbeißen, kotzen, Mund wieder aufreißen. Das war echt hart anzusehen. Mir ging es dabei nicht besser. Was mich hier durchtrug war die Devise: Nicht aufgeben. Nicht schon wieder aufgeben verflixt nochmal. Also ging es von Getränkestand zu Getränkestand. Von Minischatten zu Minischatten. In diesen Momenten der körperlichen Grenzerfahrung sind wir plötzlich alle eins. Eins. Eine homogene Masse, die ihrem Ziel entgegen wabert, ein Ameisenstamm oder Bienenvolk. Die kurze, aber intensive Verbundenheit, die man hier fühlt ist unglaublich. Ein einfaches „los jetzt, nicht aufgeben“ von einem Mitläufer sagt mehr als alle Bücher zum Thema Motivation. Der kurze Blick, das erschöpfte Schulterklopfen. Wir verstehen uns.

Die Sonne brennt wie ein Glutofen. Auf den letzten 2km, wo fast nichts mehr geht, kommt überraschend meine Freundin vorbei. Ein letzter Boost, um sich ins Ziel zu kämpfen, nicht aufzugeben. Mit 55min bin ich zwar komplett an meiner aktuellen Laufleistung vorbei, dafür habe ich diese Wüste lebend überstanden und gefinished.

Mit einer Gesamtzeit von 2:34:00 auf Platz 135, bzw. Platz 7 in meiner AK , bin ich sehr zufrieden. Beim Laufen wäre mehr gegangen, aber nicht bei diesen Temperaturen. Last but not least: Die Organisation war wieder mal top. Mehr als ausreichend Verpflegung aufmerksame Kampfrichter und natürlich eine eine durchgehend tolle Stimmung. Gerne wieder, vielen Dank! :-)

Berlin Triathlon 2014 Finish

Mehr groggy als purer Grog.

David Binninger

David Binninger, Wahlschwabe, Sportler aus Leidenschaft.

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